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ein-hologramm-fuer-den-koenigTitel: “Ein Hologramm für den König”

Autor: Dave Eggers

erschienen am 14.02.2013 bei Kiepenheuer & Witsch für 19,99 Euro

ISBN: 978-3-462-04518-5

In heutigen Zeiten besteht die Wirtschaft, soweit ich mich damit auskenne, zumindest für den Teil der Wirtschaft, der etwas produziert und nicht per se nur Dienstleister ist, aus drei Dingen … Akquise, Preiskampf und ewiger Warterei … was alles, zur Freude derer, die dadrinnen stecken, auch noch im Sande verlaufen kann.

In diesem Buch wird die heutige Wirtschaft aus Sicht eines Protagonisten der alten Schule namens Alan Clay innerhalb der ungeschriebenen Gesetze der heutigen Zeit eindrücklich beschrieben. So eindrücklich, dass man als Leserin voll sozial mitleidet. Ich konnte das jedenfalls vorzüglichst.
Alan Clay ist Vertreter einer IT Firma namens Reliant, die in Saudi Arabien für den König in seiner neuen Wüstenstadt KAEC (King Abdullah Economic City) das Telekommunikationsnetzwerk aufbauen möchte/soll/darf. Noch hat die Firma jedoch nicht den Zuschlag, aber sie sind schon mal eingeladen eine Präsentation für den König inmitten von Sand, Wüste, einzelnen Rohbauten der Stadt durchzuführen, um sich für den prestigeträchtigen Auftrag zu bewerben.

Alan Clay ist so ziemlich am Ende seiner Kräfte als er nach Saudi Arabien kommt. Er muss ständig an seine Schulden denken. Er macht sich Sorgen, um seine Tochter Kit, die an einem College studiert, welches er nicht finanzieren kann, weil er schon lange keinen erfolgreichen Job mehr gemacht hat. Er war mal gut, solange es der Fahrradfirma Schinn aus Chicago noch gut ging. Alan Clay ist zudem noch unzufrieden mit seiner beziehungstechnischen Situation. Seine nicht erfolgreiche Ehe beschäftigt ihn immer noch und zu guter letzt hat er auch noch in Saudi Arabien oft Pech und erschwerende Umstände, die zum Erfolg des Abschlusses mit dem König nicht sehr förderlich sind.
Alans Präsentationsteam bestehend aus Rachel, Cayley und Brad tüftelt und werkelt wochenlang anfangs ohne funktionierendem WLAN Netz, ohne ausreichender Verpflegung, ohne ausreichender Klimatisierung allein im riesigen Zelt herum. Der Chef Alan kommt öfter mal später zum Arbeitsort, er verpasst das Shuttle oft genug und muss im Hotel erst mal warten, bis ein adäquater Ersatz für den Transfer aus Dschidda zum KAEC gefunden wird. Yousef wird aufgrund der Häufigkeit seines Verpassens sein Fahrer. Yousef ist aber auch nicht von Glück gesegnet und trägt sein eigenes Päckchen an Problemen mit sich herum und so haben sich zwei gefunden, mit denen der Leser auf den 360 Seiten Trip sich begiebt.

Alans Hauptziel, mit dem er nach Saudi Arabien gekommen ist, ist die Präsentation mit einem phänomenalen Hologramm dem König vorzuführen und aufgrund dessen den Auftrag ans Land zu bringen. Jedoch taucht der König nicht wie erwartet zeitnah auf.
Bei all der Warterei und der langen Fahrten resümiert Alan, was er in seinem Leben geschafft hat und man muss feststellen, dass Alan eine ziemliche traurige und hoffnungslose Kreatur ist. Er ist bankrott. Er muss diesen Deal zwischen Reliant und dem König abschließen, sonst braucht er sich nicht wieder nach Hause zurück getrauen. Er ist geschieden. Er hat keine funktionierende Beziehung zu einer Frau. Er hat eine Tochter namens Kit, die ins College geht und für dessen Finanzierung er aufkommen muss und er stellt eines Abends auch noch fest, dass er auch noch möglicherweise eine böse Geschwulst im Nacken sitzen hat, die ihn in den Wahnsinn treibt.

Wird Alan sein Glück in Saudi Arabien finden? Das kann man in dem Buch sehr eindrucksvoll sich erlesen.

Dave Eggers schafft es in seinem neuen Roman nicht nur eine scheinbar spannungslose Geschichte fesselnd zu schreiben. Er begiebt sich zu dem auch noch auf einen kleinen Wirtschaftsgeschichte Exkurs. Er zeigt anhand seines Protagonisten Alan Clay, woran in der heutigen Zeit viele Menschen in der produzierenden Wirtschaft scheitern können, ohne dass das Buch wie ein Lehrbuch daher kommt.

Dave Eggers schafft es auch, dass Alan Clay für mich am Ende sympathisch ist, obwohl er gar nicht mein Typ wäre.

Dieses Buch war ein richtig guter Griff in die Literaturkiste von frisch erschienen Werken des Jahres 2013 und ich bin glücklich es gelesen haben zu können.

Ach ja … dieses Buch hat bei mir volle Punktzahl bekommen. Es liest sich gut. Es hat einen überzeugenden Protagonisten. Man kann nebenher auch noch etwas lernen und es ist Stoff, über den man sich auch noch nach dem Lesen gut unterhalten kann.

Das Schräggedruckte: Ich bin nur ein Konsument … das heißt, das was ich in so einen Roman hinein interpretiere und wie ich über die Charaktere, Protagonisten denke, ist rein subjektiv. Ich verkneife es mir zu sagen, dass ich irgendetwas rezensiere, denn das kann ich nicht. Ich schreibe lediglich mit voller Emotion von meinen Lieblingen. (Und noch was … das Coverartwork ist natürlich vom © Kiepenheuer & Witsch)

Diese Review wurde bereits gepostet auf meinem Blog http://www.zeronnen.de/blog