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Unendlicher Spaß

Das Monstrum war der unglaublich “Unendliche Spaß” von David Foster Wallace für mich gewesen. Ich hatte im September 2011 mir von meiner Schwester ihre Taschenbuchausgabe ausgeliehen und ihr Kommentar dazu “Ich habe das Ding in zwei Monaten durch gehabt”, waren für mich Ansporn genug, dieses Buch irgendwann mal zu beenden. Mit der Taschenbuchausgabe kam ich allerdings überhaupt nicht klar … oder habt ihr schon mal versucht ein Buch in 1552 Seiten Stärke mit hauchdünnem Papier ohne Lesebändchen (mit 150 Seiten Fußnoten) zu lesen, welches bereits schon zerlesen ist? Neeee, bestimmt nicht. Ich war auf jeden Fall komplett überfordert. Zudem befand ich mich zwischen September 2011 und zirka März 2012 in einer epochalen Leseflaute. Ich habe natürlich trotz alledem gelesen, aber für David Foster Wallaces unendlichen Wahnsinn hatte ich keine Nerven übrig.

Damit ich wieder Ansporn bekam, gab ich die Taschenbuchausgabe meiner Schwester zurück und las erst mal drei andere dünnere Bücher von David Foster Wallace und ich las vor allem erst mal andere Bücher, um die Lust am Lesen auch wieder ganz bewusst zu finden und ich versuchte mir irgendwie möglich eine Hardcover Variante des Monstrums zu besorgen und hatte Glück bei eBay eine Ausgabe zu ergattern eines Menschens, der es nur bis Seite 16 geschafft hatte und mir “Viel Mut und Durchhaltevermögen” mit auf dem Weg gab.

Am 1. August 2012 begab ich mich ganz bewusst auf die abenteuerliche Reise “Unendlicher Spaß”. Ich kam aufgrund der neuen Arbeit, wenig gutes Lesezeitmanagement und viel zu vieler Ablenkung durch andere tolle Werke im Bücherregal nur bedingt gut voran. Ich merkte, dass wenn ich länger als zwei Tage das Buch nicht mehr in der Hand hatte, ich doppelt solange brauchte, um wieder halbwegs in die Materie hineinzukommen. Das ist echt doof, wenn man so ein stark destruktiv geschriebenes Buch liest … mit gefühlt 10.000 Charakteren. Zumal bis zirka Seite 600 immer wieder neue Charaktere hinzukommen. Im Dezember las ich dann allerdings gar nichts von DFWs Werk. Ich war überhaupt nicht in Stimmung und wusste, dass ich das Buch sowieso nicht mehr im Jahr 2012 beenden werde. Deswegen versuchte ich es gar nicht erst.
Umso besser ging es dann am 31.12.2012 los, quasi als Rausschmeißer aus dem Jahr. Ich nahm mir die “restlichen” 900 Seiten des Opus Magnum für das Jahr 2013 vor und ich schaffte dies sehr gut … komplett im Januar. Ich las aber auch nur in dem Buch. Konsequent. Jeden Tag.

Nach ein paar Tagen fühlte ich mich so schweißgebadet und vollkommen durchgedreht an wie die Hauptprotagonisten aus der ETA (Enfield Tennis Academy), der Bostoner AA (Anonymen Alkoholiker) und auch irgendwie konnte ich mich auch in die abegwrackte Gedankenwelt der quebecianischen Rollstuhlseperatisten hineinversetzen. Ich zerfloss im Text. Ich merkte wie sich sämtliche Synapsen, die vorher mehr als verwirrt waren bei der Lektüre, sich auf Gleichklang einigten und ich im Text versank. Jede neue Fußnote in 3pt Größe machte mir weder Angst, noch brachte sie mir respekteinflößende Alpträume.

Ich hatte beim Lesen einen großen Rückschlag, als ich 6 Tage lang im Bett lag und so glühte wie ein Atombrennstab und ich rein gar nichts machen konnte. Ich konnte mitfühlen mit den an Narcotica Abhängigen Protagonisten im Buch. Ich fand sie nicht wirklich so toll, dass sie meine Vorbilder werden könnten, aber ich war krank genug, um mich in deren Lage perfektiös hinein zu versetzen.

Das Buch gewann immer mehr an Fahrt, je länger ich darin las und je weniger neue Charaktere hinzu kamen. Das Buch gewann immer mehr an Fahrt, je weniger ich über Fußnoten nachdachte. Das Buch gewann immer mehr an Fahrt, je weniger ich mir einen Kopp um die “Jahreszahlen” machte. Ich werde das Buch noch mal lesen … vielleicht nicht in diesem Jahr, aber möglicherweise 2014. Ich habe die Quintessenz des Buches erkannt und mit Vergnügen stellte ich fest, dass nicht alle Fragen für mich beantwortet wurden, möglicherweise auch, weil ich zu langsam gelesen habe, zu schlampig über die Fußnotentexte drübergehuscht bin, zu viele Pausen eingelegt hatte. Ich hatte es am Ende … also im Januar (bei den letzten 900 Seiten) gut raus, wie ich den Foster Wallace zu packen hatte. Nämlich gnadenlos am Schopfe und vor allem mit Disziplin und Ehrgeiz und Sturheit und immer mit einem Mut für kaputte Menschen, einen Mut an verkorkster Storyline, mit einem Schuss an Ironie, Selbstkritik, Sarkasmus und Wortwitz. Der Foster Wallace ist wahrlich keine leichte Lektüre, aber das hatte ich auch keinesfalls erwartet. Foster Wallaces Unendlicher Spaß ist etwas für Menschen, die gern mal an ihre intellektuellen Grenzen gehen möchten und wie ich auch noch gern ein paar Schritte weiter.

Zur Story … was soll und kann und darf ich da sagen, ohne Spoiler aufzuschreiben?! Ich glaub das Buch ist einfach mal eine glamourös bombastische Satire auf den Kapitalismus, auf unsere kranke Gesellschaft mit Eliten (Tennisakademie), mit immer noch arg gedemütigten Menschen (Rollstuhlfahrer), mit natürlich global existierenden Problemen Seperatismusbestrebungen, Ökoterror und eben Konsumterror, sowie mit den Menschen, die in dieser Gesellschaft unten durch fallen … den Abhängigen … hier in Form von Alkoholikern, Drogenabhängigen etc. pp. beschrieben. Die Hauptstory dreht sich um einen Film namens “Unendlichen Spaß”, der so ich sag mal magisch ist, dass Menschen, die diesen Film sehen, sterben. Es ist quasi eine mediale Waffe. Hinter dieser “Waffe” sind in diesem Buch früher oder später alle hinter her, weswegen auch immer. Ob diese Waffe gefunden wird und oder nicht und an welcher Stelle … will und werde ich nicht sagen. Schließlich habe ich selbst noch ungelöste Rätsel, die ich erst beim zweiten Mal sicher besser verstehen werde.

Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe und bin nach wie vor in absoluter Hochstimmung. Dieses Buch ist und war eines meiner “Respektbücher” in meinem Bücherschrank und es hat sich jede Zeile gelohnt.

Infos zum Buch?! …

Autor: David Foster Wallace (RIP)

Titel: Infinite Jest – Deutsch: Unendlicher Spaß

verlegt bei: Kiepenheuer & Witsch

ISBN: 978-3-462-04112-5

Das Schräggedruckte: Ich bin nur ein Konsument … das heißt, das was ich in so einen Roman hinein interpretiere und wie ich über die Charaktere, Protagonisten denke, ist rein subjektiv. Ich verkneife es mir zu sagen, dass ich irgendetwas rezensiere, denn das kann ich nicht. Ich schreibe lediglich mit voller Emotion von meinen Lieblingen.

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