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was es ist: https://tcabam.wordpress.com/2012/07/25/neue-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

Bunker und Kanonenfutter

sirenen heulten ab und zu, es hörte sich schaurig an. mama sagte, es sei nur zur probe, damit wir wissen, was im ernstfall zu tun ist.

mein vater bekam seine einberufung. er sagte, er wolle nicht auf seine brüder schießen. er war franzose.

wir mussten daraufhin alle zum gesundheitsamt. dort wurden wir untersucht.

mund, stirnhöhe und die nase wurde gemessen, augen- und haarfarbe festgestellt. es wurde geprüft, ob wir arischer herkunft waren. aber wir waren wohl arisch genug und wurden “eingedeutscht”. herma, brunhild, jürgen und ich bekamen eine urkunde mit einem dicken hakenkreuz.  und nun waren wir deutsch und vater wurde zur kriegsmarine eingezogen, weil er vorher seemann war.

der krieg nahm seinen lauf. es gab oft alarm. alles rannte in die keller oder zum heiligengeistfeld in die bunker.

der erste angriff überraschte uns in der neuen wohnung. wir gingen im nebenhaus in den hauskeller. die flak auf den bunkern ballerte los und wir hörten das brummen der flugzeuge. die flogen damals sehr tief., und wenn man sie sah, war es eigentlich schon zu spät. die tiefflieger schossen auf alles, was sich bewegte. der himmel war manchmal ganz hell, überall scheinwerfer. wir bekamen es mit der angst und mama sagte: “wir gehen nächstes mal in den bunker, das hier ist mir zu unsicher.”

von da an verging kaum ein tag, wo kein alarm war. wir schliefen in etappen, und mama war wieder schwanger.

ich war inzwischen auch eingeschult. herma und ich gingen am holstenwall in die mädchenschule. damals wurden mädchen und jungen noch getrennt unterrichtet.

ich hatte in der schule gestört und musste vor der klassentür stehen. da kam ein lehrer vorbei. ich sagte: “guten tag.” er blieb wie angewurzelt stehen und brüllte los: ” name?”

ich: “roubal.”

er: “klasse?”

ich: “erste.”

er: “lehrer?”

ich: “frau wicker.”

er: “der deutsche gruß heißt heil hitler! merke dir das, und ich will dich hier nicht noch einmal vor der tür stehen sehen!” ich nickte, und er rauschte an mir vorüber.

papa kam auf urlaub und wir warteten mal wieder auf einen kleinen bruder. papa war hoch erfreut. mama sagte nur: “kanonenfutter.”

es waren schon so viele männer gefallen. man wusste nie, wer der nächste war. meine brüder waren, gott sei dank, zu klein. wir waren mit ilse, die bei oma lebte, mittlerweile sechs kinder. meine mutter hatte schon den ersten weltkrieg miterlebt. nun galt es, die kinder durch den zweiten weltkrieg zu bringen.

***

*anmerkung von mir: der damalige zeitgeist spiegelt sich auch in der wortwahl, auf die ich keinen einfluss genommen habe, wieder. sollte das jemanden stören: es tut mir leid, damals haben die menschen so gesprochen.

Vorwort https://tcabam.wordpress.com/2012/07/25/vorwort-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

1 – Familienzuwachs https://tcabam.wordpress.com/2012/07/25/familienzuwachs-1937-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

2 – Der Umzug https://tcabam.wordpress.com/2012/07/26/der-umzug-ca-1938-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

3 – Mama mit uns wieder allein… https://tcabam.wordpress.com/2012/07/28/mama-mit-uns-wieder-allein-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

4 -Der Bruder- BLOG-SERIE: Kindheit in Hamburg, Jahrgang 1933 https://tcabam.wordpress.com/2012/08/05/der-bruder-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/