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was es ist: https://tcabam.wordpress.com/2012/07/25/neue-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

Der Bruder

papa war zu hause und wir warteten mal wieder auf einen bruder. mama lag im schlafzimmer, dort stand auch ein hübscher stubenwagen. papa lief auf und ab, die hebamme war auch schon da, da sagte er zu mir: “du musst zucker auf die fensterbank legen, das mag der klapperstorch gern.” ich rannte in die küche und legte würfelzucker auf die fensterbank und dann warteten wir.

ein baby schrie und ich habe keinen storch gesehen…

die aufregung war groß. papa zappelte an der schlafzimmertür rum und wie sollte es auch anders sein? die lütte fing an zu heulen. sie wollte zu mama. ich gab ihr den ganzen zuckerpott und sie war sofort still. es hätte sich sowieso niemand um sie kümmern können, wir ware alle zu gespannt.

Eine frau kam aus dem schlafzimmer und sagte: “ein junge! es dauert aber noch etwas.”

dann ging aber endlich die tür auf und wir durften zu mama. im korb lag ein winziger kleiner bruder. papa sah in das körbchen und sagte: “oh mann, is de lütt, de süt ja sehr mickrig ut. ik glof wi mogt gligs noch ehn. wenn den wat passiert, heb ick ja wedder ken sohn!”

mama riss die augen auf und rief: “aber kallie!” und alle lachten. mein vater sprach meist platt, das war er von see so gewohnt. er konnte das zu der zeit besser  als hochdeutsch.

die lütte hatte in der zwischenzeit den teppich in der stube mit zuckerwürfeln garniert und es knirschte, wenn man drauf trat. überhaupt klebte das ganze kind. aber keiner traute sich, ihr den zuckerpott wegzunehmen, wegen dem gebrüll. mama brauchte doch ruhe!

papa fuhr auf see. als er dann nach einer weile wieder zurück kam, brachte er eine menge spielzeug mit. kinderkleider, zwei elektrische eisenbahnen, allerlei spielzeug, puppen und puppenwagen und eine sehr tolle kinderkorb-garnitur.

er sagte uns, die kinder denen das gehört hat, seien alle auf einer überfahrt nach amerika krank geworden und gestorben. ich weiß nicht, ob das stimmte, ich war eben noch klein.

unsere brunhild (die lütte) wurde größer und fieser. wenn mama einkaufen ging und sie nicht mit durfte, wurde so lange zirkus gemacht, bis  meine mutter sie mit nahm.

sie war ein kleines biest wie es im buche stand und mama war immer auf ihrer seite: “sie ist ja noch klein.”.

von mir bekam sie ab und zu im vorrübergehen eine geschmiert. einmal hatte ich es zu weit getrieben: wir spielten im flur und brunhild machte schon wieder ärger. weil der kleine bruder schlief, mussten wir etwas leiser sein. unser flur war viereckig und ziemlich groß mit einem fenster zum hof. in der ecke stand die korbgarnitur.

bruni wippte auf dem sessel hin und her und ärgerte mich. sie streckte mir die zunge raus und schlug auf meinen puppenwagen und dann rief mama aus der küche: “ruhe da! sonst geht ihr ohne abendbrot ins bett!”

aber die dumme kuh (also meine kleine schwester) gab keine ruhe. ich versetzte dem sessel einen stoß und er fiel mit inhalt um. die lütte hatte sich zwei zähne angestoßen, die dann mit der zeit schwarz wurden und ausfielen. von da an nannten wir sie zahnlücke.

Seilerstraße, Edeka Großhandel Hamburg Neustadt

herma wurde in der seilerstraße eingeschult. papa fuhr noch ein- oder zweimal auf see und nach einer weile zogen wir um. zum gänsemarkt in die abc-straße.

Lessing-Denkmal auf dem Gänsemarkt, Blick zur ABC-Straße

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Vorwort https://tcabam.wordpress.com/2012/07/25/vorwort-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

1 – Familienzuwachs https://tcabam.wordpress.com/2012/07/25/familienzuwachs-1937-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

2 – Der Umzug https://tcabam.wordpress.com/2012/07/26/der-umzug-ca-1938-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

3 – Mama mit uns wieder allein… https://tcabam.wordpress.com/2012/07/28/mama-mit-uns-wieder-allein-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/