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Ey mann eh, die Review zu der Welturaufführung von John Neumeiers neuestem Ballett ist echt garstig überfällig. Ich wollte es ursprünglich zeitnah direkt nach dem Besuch der Premiere schreiben und zwar in englischer Sprache, aber irgendwie hab ich immer nicht dazu die Lust oder Muse oder beides gehabt. Irgendwie find ich das schon ziemlich “arm” von mir, da ich doch so ein Ballettfreak bin. Da fällt mir doch glatt ein … heute, wo ich es um 1:20 Uhr schreibe am 25.12. … dass mein 2012 John Neumeier Ballett Kalender immernoch bei meiner Schwester liegt. Den habe ich nicht mit nach Hause genommen. Da war auf dem Titelbild Carsten Jung bei einer Probe abgeknipst zu sehen.

Was soll ich zu Liliom schreiben? Das hat ja schon die alteingesessene Presse schon so schön gemacht.

So schrieb das Hamburger Abendblatt über den Fulminanten Erfolg des Balletts oder aber auch die Junge Welt schrieb von Politik im Pirouettenwirbel.

Mit genügend Abstand betrachtet, gefällt mir das Ballett dann doch mehr, als ich das am Abend selbst empfand.

Ich werde mal von vorn beginnen. In Kurzfassung … (ohne, dass ich jetzt um diese Uhrzeit, wo ich das schreibe, noch mal zu rechergieren beginne)
Es geht um Liliom (getanzt von Carsten Jung). Einen jungen Mann, der irgendwie gescheitert ist. Er bekommt einen Job auf dem Jahrmarkt bei einem Fahrgeschäft. Die Besitzerin (getanzt von Anna Poliparkova) umgarnt diesen Liliom ganz schön heftig … grenzt schon fast an sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz … Liliom ist allerdings ein total heißer Feger auf dem Jahrmarkt (Playland) und er wird von vielen Mädels bewundert und das Treiben auf dem Markt ist wild, laut, schrill bunt. Er lernt die Kellnerin Julie (getanzt von Alina Cojocaru als Gast) kennen. Julie wird nach intensivem Kennenlernen schwanger. Liliom verliert den Job. Politische Wirren (Weltwirtschaftskrise) etc. pp. Liliom bekommt von Frau Muskat, der Jahrmarktfahrgeschäftsdame den Job wieder angeboten mit dubiosen Bedingungen. Liliom, der sowieso ein sehr hin- und her gerissener Mensch ist, gerät auf die schiefe Bahn und lässt sich von einem “dunklen” Typen Ficsur (getanzt von Lloyd Riggins) überreden einen Überfall zu machen. Blöderweise wird Liliom dabei erwischt. Er kann nicht schnell genug flüchten … und er bringt sich um. Julie, die sich von Liliom abgewendet hatte, nach dem er einmal die Hand gegen Julie erhoben hatte, erkennt in seinem Sterben, dass sie ihn liebt. Liliom ist auf dem Weg zu Himmel oder Hölle und dort wird vom sehr hübsch aussehendem jüngsten Gericht entschieden, dass er nicht komplett böse ist und deswegen darf er nach 16 Jahren mal auf die Erde zurück kehren kann. In der Zwischenzeit wächst sein Sohn auf, den er vom Jenseits aus beobachten kann. Etc. pp.

Vielleicht sollte ich einfach mal den Trailer hier zwischenschieben.

Ich sollte mal über das Ballett selbst sprechen. Es war bunt, opulent, klar (an manchen Stellen für meinen Geschmack zu klar). Ich musste viel zu wenig denken. Das bin ich bei Neumeiers Balletten nicht gewohnt. Wirklich nicht.

Die Tänzerinnen und Tänzer waren alle durch die Bank weg supertoll. Carsten Jung (darf ich ihn noch einmal hier erwähnen … hallo er hat die Titelfigur getanzt) war toll und kam in jeder Situation seiner Rolle genau so rüber, wie es angedacht war. Alina Cojocaru, die als Gasttänzerin die Julie tanzte, wurde unentwegt durch die Gegend “geschleudert” und sie tanzte ausdrucksstark und gleichsam auch leichtfüßig. Desweiteren fand ich es auch ganz toll am Tag der Premiere zu lesen, dass statt Dario Franconi Lloyd Riggins tanzte. Ich bin halt ein kleiner Riggins Fan. Sehr schön fand ich die Jungs im Jenseits. Wenn ich ins Jenseits komme und es da auch so schön tanzende Teufel geben sollte, dann will ich da hin. Ich glaub, ich will dann auch gar nicht ins Diesseits zurück. Ich bleib dann eben gleich dort im Zwischenstopp. Die packenden Gruppentanzorgien, vor allem der arbeitslosen Leute waren genial anzuschauen. Eine echte Augenweide.

Beeindruckend war tatsächlich auch der Soundtrack, die Livemusik, die Musik, die ein Auftragswerk von Neumeier an Michel Legrand gewesen ist und der auch tatsächlich mopsfidel am Tag der Premiere anwesend war. Es spielten nicht nur Philharmoniker Hamburg im Orchestergraben (in den ich nach dem Ballett mit genügend Schwung den fetten hübschen Blumenstrauße für Carsten Jung hinein geschleudert hatte), sondern auch auf der Bühne noch selbst die NDR Big Band. Echt… großes Kino. Dazu noch ab und an ein Solomusikant auf der Bühne. Das funktionierte primstens und war wirklich toll für alle Stimmungen.

Was sagte denn das Publikum an dem Abend dazu. Ich wurde ja nicht befragt, deswegen schreibe ich die Review hier.

Also, es war ein wunderschöner Abend, der noch lustig mit dem zerfletterten Blumenstrauß im Orchestergraben endete.

Ich habe mal noch nachgeschaut … es gibt leider auch keine Karten mehr in dieser Saison für das Ballett im Moment. Also war es vielleicht gar nicht so schlimm, dass ich die Review erst so spät dazu gemacht habe. Aber es kommen in dieser Saison auch noch andere Ballette auf die Bühne (wieder und neu!).

Mehr Infos:
Hamburg Ballett
Alina Cojocaru
Carsten Jung
Michel Legrand