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was es ist: http://tcabam.wordpress.com/2012/07/25/neue-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

Der Umzug (ca. 1938)

als meine kleine schwester vier monate alt war, zogen wir um. nach st.pauli, in der nähe der davidwache. die mutter meines vaters lebte dort und wir hatten nun eine schöne, große wohnung in der friedrichtstraße.

dadurch hatte es papa auch leichter, schnell mal zu uns zu kommen, wenn sein schiff im hafen lag und er wache hatte. manchmal durfte ich mit aufs schiff. wir aßen dann in der kombüse zu mittag und ich bekam dauernd vom koch ein stück kuchen in die hand gedrückt. wenn es mir mit dem kuchen zu viel wurde, stopfte ich ihn, nachdem ich die rosinen herausgepult hatte, in papas kajüte unter den spind.

einmal, als er mich nach hause brachte und er seine schuhe suchte, kramte er den kuchen unter dem spind hervor. er staunte nicht schlecht und ich bekam eine standpauke: das man so mit lebensmitteln nicht umgehen durfte und das kleine *negermädchen quwendolyn hätte nicht immer so schönen kuchen. ich sollte das nächste mal sagen: “nein danke, ich mag nicht mehr.”

Blick von der Navigationsschule auf die Landungsbrücken ca. 1938 http://www.hamburg-bildarchiv.de

mein vater fuhr damals noch auf passagierdampfern für die firma hapag. die namen der schiffe weiß ich nicht mehr so genau. ganz früher war es die cap arcona , zu meiner zeit die bremen. ich errinnere mich noch, wie wir mit laternen abends an den landungsbrücken standen und auf papas schiff warteten.

da habe ich laut gesungen: “oh tannenbaum, oh tannenbaum, der kaiser hat in´n sack gehaun´!” meine mutter bekam einen großen schrecken, aber es waren zu viele leute da, sonst hätte ich bestimmt eine geknallt bekommen.

es war immer sehr spannend, wenn wir da vor dem zoll warteten und das große schiff ankam. für mich ein großer eindruck.

und papa kam nach hause und alles freute ich und war gut gelaunt und er brachte für jeden was mit!!!

als alle passagiere von bord waren, kam er runter und das schiff fuhr meistens in den dock. papa hatte dann ein paar tage frei und machte erst einmal reihum besuche und ich durfte meistens mit. später musste er wieder an bord.

das lied.

es war immer das gleiche: “musi denn, musi denn zum städele hinaus…” spielte die kapelle.

alle leute winkten und papa war wieder auf see.

***

*anmerkung von mir: der damalige zeitgeist spiegelt sich auch in der wortwahl, auf die ich keinen einfluss genommen habe, wieder. sollte das jemanden stören: es tut mir leid, damals haben die menschen so gesprochen.

Vorwort http://tcabam.wordpress.com/2012/07/25/vorwort-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

1 – Familienzuwachs http://tcabam.wordpress.com/2012/07/25/familienzuwachs-1937-blog-serie-kindheit-in-hamburg-jahrgang-1933/

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