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Spielzeiteröffnung auf Kampnagel und ich war kurzentschlossen dank der Einladung meiner Schwester dabei. Es stand heute auf dem Programm eine Tanztheaterveranstaltung der Batsheva Dance Company aus Israel mit einem Stück namens “Sadeh 21″, wessen Inhalt mir auch nicht nach 75 min Spiellänge ganz klar war. Aber ich bin durchaus sehr gern für modernes Tanztheater zu haben und sehe auch moderne Kunst oft sehr sportlich mit olympischen Charakter … dabei sein ist alles. Ihr wisst schon.

Die Batsheva Dance Company wurde 1964 von der Baroness Batsheva de Rothschild als Repertoir Ensemble gegründet deren erste artistic adviser (ich weiß net, wie ich es vor lauter Schreck und um diese Uhrzeit übersetzen soll, ohne das es doof klingt) Martha Graham war. Die Company war die erste, die ihre Choreographien außerhalb ihrer eigenen Compagnie tanzte. Die Compagnie hat viele Preise gewonnen und hat ihren Sitz in Tel Aviv. Aber lest selbst in dem Link da oben im ersten Satz.

Ich jedenfalls wurde von meiner Schwester dazu eingeladen und bin ihr auch sehr dankbar für, denn spontane Geschichten mag ich sehr. Ich versuchte aus dem Programm herauszulesen, worum es in dem Stück ging. Das Programmblatt von Kampnagel sagt: “SADEH 21 ist ein Gefühlsdruck-Container, ebenso zart wie explosiv. Hier zerteilen Körper die Luft als seien sie Messer, suchen die Schönheit der Entspannung oder loten Räume und Beziehungen aus: Hochspannungsvolle Felder (=Sadeh), die uns die Komplexität menschlicher Emotionen in einem überwältigenden Fluss aus getanzten Bilder zeigen.”

Mmmmmmmmmh, war mein erster Gedanke, nach dem ich das vor dem Stück gelesen hatte und mmmmmmmmmmh war ebenso mein erster Gedanke nach dem ich das Stück gesehen hatte.


Schnipsel aus Sadeh 21

Mag sein, dass das Stück nicht zerflückt werden sollte, aber ich mach es jetzt trotz alledem.
Sadeh 21 ist aufgeteilt in “21” Felder … Gefühlsfetzen … Ereignisse … man kann es nehmen wie man möchte.
Der Beginn ist sehr abrupt. Man wird durch Maschinenpistolenähnliche Geräusche in ohrenbetäubender Lautstärke aus dem Gespräch gerissen und die Lichter gehen aus. Man kann sich keineswegs beschweren, dass man nicht weiß, wann es los geht.

Beim ersten Teil war meine erste Assoziation – Rhythmische Sportgymnastik Disziplin Bodenturnen … wenn jemand der selben Meinung ist … bitte Daumen heben. Die Tänzer liefen auf die Bühne gemächlich im Tänzerschlonzschritt fingen dann sehr krass ihre Tanzelemente an zu tanzen und hörten so flott sie auch angefangen hatten auch wieder auf, um wieder von der Bühne weg zu schlonzen.

Danach folgten die ein oder anderen teilweise verstörenden, inhaltlich nicht ganz greifbaren Stücke mit dem ganzen Ensemble, wobei mir der Teil mit der Frau, die auf der Bühne die Anzahl der Tänzer ansagte, im Gedächtnis bleibt, sowie der Teil, in dem die Männer die Frauenparts (in Röcken) und die Frauen die Männerparts übernommen. Quasi als Geschlechterkampf. Auch sehr schön, der “singende Tänzer” auf der Bühne mit Lauten einer “fernen Welt” und dazu Tanz.

Mit meiner Schwester war ich übereinstimmend der Meinung, dass die Stücke des Gesamtkunstwerkes immer dann toll waren, wenn etwas “aggressivere” … monumentalere und gewaltigere Teile mit dem gesamten Ensemble getanzt wurden. Die Choreographie wirkte dann auf den Zuschauer geschmeidiger. Ich mag es, wenn viel auf einer Bühne passiert. Gern auch im Gleichklang … Bombast und Pompöses Gehabe … manche würden auch militärisch anmutende Bewegungen … treffen durchaus auf mein ästhetisches Wohlempfinden beim Tanz, wobei Militär natürlich KEIN Wohlempfinden bei mir auslöst.

Nach dem 7. Teil dachte ich mir … oh weh, wenn jetzt alle Teile so lang sind, wie soll das denn dann bitte schön in 75 min reinpassen?! Ganz einfach: Indem nach Sadeh 7 der Teil Sadeh 8-19 folgte. Witzig war man also auch noch. Das zeigte vor allem der Schluss, wo die Tänzer statt der Verbeugung auf die Bühnendeko kletterten und in den Backstage Bereich sprangen, während dessen der Abspann per Video lief. Sehr schön! Das ist mal was echt Innovatives.

Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache! Überlegt es Euch gut, kleine Kinder in eine moderne Tanzveranstaltung mitzunehmen … vor allem zu verrückten Israelischen Choreographen. Die Musikauswahl könnte ab und an etwas verstörend sein und psychotische Angstzustände auslösen. Meine persönliche Beobachtung diesbezüglich war, dass ein schätzungsweise 7 Jahre altes Mädchen beim vorletzten Teil mit dem Rücken zur Bühne zugewandt auf den Armen der erwachsenen Begleitperson verängstigt hing. Das auf der Bühne war nicht das Allerhübscheste und die Angstschreie einer Frau waren auch mir schon fast ein bisschen zu lang.

Mir hat es allerdings gefallen. Und ich werde noch mal tief in mich gehen und dann erschließt sich auch der Sinn vielleicht.

In dem Zusammenhang … die Choreographie wurde im Stil der Gaga Method Dance getanzt, welche von Ohad Naharin entwickelt wurde und von ihm auch forciert wird.

Und noch etwas … im Programm standen die Geburtsjahre aller TänzerInnen des Ensembles drin. Ich merke, dass ich ALT bin, denn alle die auf der Bühne standen sind jünger als ich. Ich kann einpacken.

Und noch etwas anderes … ein anderes gutes Ensemble eines israelischen Choreographen, dessen Werk ich auch schon auf Kampnagel erleben durfte und den ich vergleichsweise mehr mochte … ist Hofesh Sheshter. Der hat allerdings seine Basis in Großbrittanien.

Sadesh 21 wird noch bis einschließlich 01.10.2011 auf Kampnagel aufgeführt. Tickets gibt es bei Kampnagel.de

Ach ja … tosender Applaus und das zurecht!

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